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Deine Amazon-Infografiken sind auf dem Handy unlesbar — hier ist die Rechnung

Fast jedes Listingbild entsteht mit 2.000 px auf einem 27-Zoll-Monitor und wird mit ein paar hundert Pixeln einhändig in der Bahn konsumiert. Dieser Bruch, nicht der Geschmack, ist der Grund, warum so viele Infografiken scheitern: Das Layout übersteht die Verkleinerung, die Schrift nicht. Zum Reparieren braucht es keine Meinung, sondern einen Skalierungsfaktor, eine daraus abgeleitete Mindestschriftgröße und einen Test, der fünf Minuten dauert und niemandes Urteil benötigt.

Wie viel Traffic mobil ist, ehrlich beantwortet

Genug, dass Mobil das Designziel ist — und die genaue Zahl ist tatsächlich umstritten. Traffic-Analysen für amazon.com beziffern den Mobilanteil 2026 auf rund 57-58% der Besuche, andere Messdienste liegen je nach Methode und Markt eher bei 60-75%. Gleichzeitig verortet mindestens eine Verbraucherbefragung die Mehrheit der abgeschlossenen Amazon-Käufe auf dem Desktop. Beides kann stimmen: Man stöbert auf dem Handy und kauft am Laptop. Die Designfolge bleibt dieselbe. Der erste Eindruck deines Bildersets — der entscheidet, ob es überhaupt eine zweite Sitzung gibt — entsteht meist auf einem Bildschirm in Reisepassgröße.

Die Rechnung, die niemand macht

Nimm ein Bild mit 2.000 × 2.000 px. Auf dem Handy wird das Karussell der Produktseite ungefähr in der logischen Gerätebreite dargestellt: etwa 390 Punkte auf einem aktuellen iPhone, 360 bis 412 auf gängigen Android-Geräten, abzüglich Seitenrand. Rechne mit 360 Punkten nutzbarer Breite. Das ist eine Verkleinerung um rund das 5,5-Fache. Das Suchergebnis-Thumbnail ist noch kleiner, oft ein Drittel bis die Hälfte der Bildschirmbreite.

Wo es gesehen wirdUngefähre DarstellungsbreiteSkalierung ab 2.000-px-Design
Karussell der Produktseite, Handy~360 ptetwa 1:5,5
Suchergebnisse, Handy~150-190 ptetwa 1:11 bis 1:13
Galerie der Produktseite, Desktop~500 pxetwa 1:4
Zoomansicht (ab 1.000 px, empfohlen 1.600 px+)bildschirmfüllend1:1 oder besser

Jetzt schick deine Schrift durch diese Rechnung. Eine 40-px-Headline auf einer 2.000-px-Fläche erscheint im Karussell mit etwa 7 Punkt. Eine 24-px-Bildunterschrift landet bei 4. Beides ist unlesbar, und beides sieht in der Designdatei nicht nach Fehler aus — genau das ist die Falle. Jede "Warum konvertiert das nicht"-Analyse sollte mit dieser Multiplikation beginnen, nicht mit dem Layout.

Eine Mindestschriftgröße, die man belegen kann

Amazon veröffentlicht keine Mindestschriftgröße für Listingbilder. Für mobile Werbemittel gibt es sie sehr wohl, und das ist die offiziellste verfügbare Aussage darüber, was Amazon auf dem Handy für lesbar hält. In den Spezifikationen für Mobile-Shopping-Anzeigen verlangt Amazon mindestens 16 pt bei 640×100 und 828×250, 26 pt bei den 828×250-Platzierungen auf Produkt- und Suchseiten, 32 pt bei 600×500 und 48 pt für sämtlichen Text im 2.560×2.560-Encore-Format — mit einer klaren Regel dazu: Der gesamte Text muss auf kompatiblen Mobilgeräten lesbar sein, unlesbare Anzeigen werden abgelehnt.

Das 2.560-px-Quadrat ist das relevante Format, weil es einem Listingbild in Form und Maßstab am nächsten kommt. Seine Untergrenze von 48 pt entspricht rund 1,9% der längsten Kante. Überträgt man dieses Verhältnis, ergibt sich ein belastbares Arbeitsminimum:

  • Fließ- und Callout-Text: mindestens 2% der längsten Kante. Auf einem 2.000-px-Quadrat sind das 40 px. Darunter liegst du unter Amazons eigener mobiler Untergrenze.
  • Headlines: 4-6% der längsten Kante, also 80-120 px bei 2.000 px. Das ist die Zeile, die das Suchergebnis-Thumbnail überstehen muss.
  • Gar nichts unter 1,5%, also 30 px bei 2.000. Wenn ein Hinweis in dieser Größe nicht passt, gehört er in die Bulletpoints und nicht ins Bild.

Zwei ehrliche Einschränkungen. Das ist eine Werbespezifikation und keine Listingregel — also eine begründete Untergrenze, keine Compliance-Vorgabe. Und die Punktangaben beziehen sich auf die Darstellungsgröße der Anzeige selbst; übertragbar ist der Prozentwert, nicht die Zahl.

Was bei 1:5,5 sonst noch zerbricht

Schrift ist der lauteste Ausfall, aber nicht der einzige. Haarlinien und 1-2-px-Konturen verschwinden vollständig. Dünne Display-Schnitte verlieren zuerst ihre feinen Striche, weshalb ein Light-Schnitt, der in voller Größe elegant wirkt, im Thumbnail kaputt aussieht — nimm ein Gewicht mehr, als sich richtig anfühlt. Kontrastarme Paletten, die auf dem kalibrierten Monitor durchgehen, brechen draußen bei 40% Helligkeit zusammen. Vier-Quadranten-Layouts, der Standardreflex jeder Infografik, packen vier konkurrierende Botschaften in eine Fläche, die eine trägt. Und Callout-Linien, die auf ein 30-px-Detail zeigen, zeigen auf nichts Sichtbares. Alles Wichtige nah am Bildrand ist ebenfalls gefährdet, weil mobil enger beschnitten wird, als die Desktop-Vorschau vermuten lässt.

Daraus folgt eine Hierarchie, keine Vorschrift: eine Botschaft pro Bild, formuliert in einer Headline, die das Thumbnail übersteht, mit unterstützenden Details in Karussellgröße und dem Kleingedruckten allein im Zoom. Zoom ist der einzige Kontext, in dem kleine Schrift legitim ist — und er existiert erst ab 1.000 px an der längsten Seite, empfohlen sind 1.600 px oder mehr.

Der Fünf-Minuten-Test

Vor jedem Upload. Er ersetzt Diskussion durch Beleg.

  1. Exportiere eine 360-px-Kopie des fertigen Bildes. Das ist ungefähr die Karussellgröße, und Herunterrechnen ist die schnellste ehrliche Simulation, die es gibt.
  2. Sieh sie dir auf deinem echten Handy an — schick sie dir selbst — bei normalem Leseabstand und deiner üblichen Helligkeit, nicht bei 100% im abgedunkelten Raum. Wenn du die Headline nicht in zwei Sekunden liest, ist alles andere am Bild egal.
  3. Wiederhole das bei 160 px für den Suchergebnisfall. Hier liest du nicht, du erkennst: Ist klar, was das Produkt ist, und überlebt ein einziges Wort?
  4. Unschärfetest. Leg einen starken Weichzeichner über das volle Bild. Was dann noch lesbar ist, nimmt ein scrollender Käufer tatsächlich auf. Bleibt nichts übrig, ist deine Hierarchie flach.
  5. Prüfe es in der echten App. Die verlässlichste Variante ist live: Öffne das Listing eines Wettbewerbers in der Amazon-App, notiere, welche seiner Bilder du im Scrollen lesen kannst, und leg denselben Maßstab an dich an.

Zwei weitere Prüfungen gehören in die Routine. Teste in deiner längsten Sprache: Deutsche und französische Texte laufen typischerweise 15-30% länger als englische, sodass eine Headline, die auf Englisch mit 90 px passt, auf Deutsch 70 px braucht — und damit unbemerkt unter die Untergrenze rutscht. Und teste die Bilder in ihrer tatsächlichen Reihenfolge, denn die ersten zwei oder drei sind das, was ein mobiler Käufer ohne bewusstes Öffnen der Galerie sieht. Die Frage der Reihenfolge behandelt wie viele Bilder ein Listing braucht, die Compliance-Basis die Referenz zu Bildanforderungen.

Fürs Handy gestalten, Desktop gibt es gratis dazu

Das Beruhigende daran, gegen die mobile Untergrenze zu gestalten: Auf dem Desktop kostet es nichts. Größere Schrift, mehr Gewicht, höherer Kontrast und eine Botschaft pro Bild wirken auf 27 Zoll nicht grob, sondern souverän. Umgekehrt funktioniert es nie — ein desktopfirst gestaltetes Bild rettet auf dem Handy nur ein Redesign. Also einmal Mindestwerte festlegen, in die Vorlage schreiben und die Diskussion über Schriftgrößen pro SKU beenden.

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